Neutralitätsinitiative: Blocher gesteht Niederlage bereits ein
«Ich wusste von Anfang an, dass die Wahrscheinlichkeit, zu verlieren, bei der Neutralitätsinitiative grösser ist, als zu gewinnen. Dazu muss man kein Hellseher sein.» Das sagt SVP-Doyen Christoph Blocher im Interview mit der «Sonntagszeitung».
Damit gesteht Blocher die sich abzeichnende Niederlage bei der Neutralitätsinitiative eine Woche vor der Abstimmung bereits ein. Gemäss den letzten Umfragen wollen nur noch etwa ein Drittel der Wählenden die Vorlage, die eine strikte Auslegung der bewaffneten Neutralität verlangt, annehmen.
In der Schweiz sei «kein Bewusstsein mehr vorhanden, was die Furchtbarkeit von Kriegen, von Kriegsursachen und Kriegsverhinderung durch den Kleinstaat Schweiz bedeutet», sagt Blocher. Deshalb sei es schwierig gewesen, der Bevölkerung das Anliegen der Initiative nahezubringen.
Dass er von seinen Gegnern und Gegnerinnen als Putin-Versteher tituliert wird, bezeichnet Blocher als «Verunglimpfung». Gleichzeitig versteht er, dass die Schweiz mit der Ukraine sympathisiert. «Wenn ein grosses Land ein schwächeres angreift, dann ist man als Schweizer auf der Seite des Angegriffenen!», sagt Blocher gegenüber der «Sonntagszeitung».
Das Abstimmungsresultat werde er akzeptieren, sagt Blocher – und genau beobachten. Bundesrat Ignazio Cassis habe versprochen, die Schweiz bleibe neutral. «Wenn sich der Bundesrat nicht daran hält und zum Beispiel Militärbündnisse eingehen will, werden wir wieder aktiv», sagt Blocher.
(her)
